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Die Zukunft der Wohnungswirtschaft: Warum KI, digitale Plattformen und Mut zur Veränderung jetzt zählen

Cem Savas (CEO, Plentific) und René Stüpmann (Geschäftsführer, die Wohnbau Prenzlau) über die Zukunft der Wohnungswirtschaft: Wie KI, digitale Plattformen und eine neue Unternehmenskultur die Branche transformieren – und was jetzt zählt.

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Die Wohnungswirtschaft steht an einer Zeitenwende. Nicht in fünf Jahren. Jetzt.

Steigende gesetzliche Anforderungen, ein Fachkräftemangel, der sich zuspitzt, Mieter mit wachsenden Erwartungen an digitalen Service und gleichzeitig ein Marktumfeld, in dem Neubau für viele Unternehmen kaum noch wirtschaftlich ist. Laut GdW konnten 70 Prozent der sozial orientierten Wohnungsunternehmen in Deutschland 2025 keine einzige neue Wohnung bauen. Der Druck liegt auf dem Bestand. Auf der Effizienz. Auf dem, was sich intern verändert oder eben nicht.

Wir, ein Technologiegründer und ein kommunaler Wohnungsunternehmer, teilen in diesem Beitrag unsere gemeinsame Überzeugung: Die Zukunft der Wohnungswirtschaft wird nicht von denen gestaltet, die abwarten. Sie wird von denen gestaltet, die jetzt handeln.

Eine Branche am Wendepunkt – und was das für uns bedeutet

Cem Savas: Ich gründete Plentific, weil ich früh erkannt habe, dass die Immobilienwirtschaft bei der Digitalisierung weit hinter anderen Branchen zurückliegt. Was mich damals antrieb, gilt heute mehr denn je. Die Komplexität nimmt zu, die Ressourcen werden knapper  und die Technologie, die helfen könnte, wird noch immer zu zögerlich eingesetzt.

Auf der Aareon Summit und auch den BBU-Tagen 2026 war KI das zentrale Thema und zwar nicht mehr als Zukunftsvision, sondern als praktisches Arbeitsinstrument. Wir leben dies bei Plentific. Wir sehen wie unsere KI-gestützten Prozesse bereits heute das tägliche E-Mail-Aufkommen automatisiert verarbeiten, Vorgänge strukturieren und Bearbeitungszeiten verkürzen. Laut BBU-Tagen 2026 bringt KI bei standardisierter Dokumentenverarbeitung 40 Prozent Zeitersparnis. 

„Die Wohnungswirtschaft hat gerade erst begonnen, sich zu digitalisieren. Was wir heute sehen, ist erst der Anfang. In den nächsten Jahren wird sich entscheiden, welche Unternehmen den Wandel gestalten – und welche von ihm überholt werden."

Die Frage ist nicht mehr ob. Sie lautet: Wie schnell, wie tief, und mit welcher Strategie?

René Stüpmann: Ich kenne diesen Druck aus dem Alltag. Die Wohnbau Prenzlau bewirtschaftet rund 3.900 Wohnungen in einer mittelgroßen Stadt in Brandenburg – weit weg von den großen Metropolen, aber nah an den Realitäten, die die gesamte Branche prägen. Hohe Zinsen, komplexere gesetzliche Anforderungen, wachsende Erwartungen unserer Mieterinnen und Mieter. Neubau ist für uns aktuell kaum ein Thema. Was zählt, ist der Bestand – und die Frage, wie wir ihn besser, effizienter und mieterorientierter bewirtschaften.

Unsere Antwort lautet: Digitalisierung. Nicht als Schlagwort, sondern als strategische Grundentscheidung für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens.

„Wir sind als kommunales Unternehmen dem Gemeinwohl verpflichtet. Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck – sie ist ein Werkzeug, um unseren Mieterinnen und Mietern ein besseres Leben in ihrer Wohnung zu ermöglichen. Die Wohnung soll ein Platz fürs Leben sein. Dafür brauchen wir Prozesse, die das auch tragen."

Künstliche Intelligenz: Vom Buzzword zur Betriebsrealität

Cem Savas: Bei Plentific beschäftigen wir uns intensiv damit, wie KI die Arbeit von Wohnungsunternehmen fundamental verändern wird – nicht theoretisch, sondern in der täglichen operativen Praxis. Ich sehe drei Bereiche, in denen KI in den nächsten Jahren den größten Unterschied machen wird.

Erstens: die Automatisierung von Routineaufgaben. Mieterkommunikation, Dokumentenmanagement, Schadensmeldungsklassifizierung, Betriebskostenabrechnung – das sind Bereiche, in denen KI heute schon Stunden spart, die bisher von Fachkräften manuell investiert werden. Branchenexperten schätzen, dass KI in diesen Bereichen bis zu 70 Prozent Zeit und Kosten einsparen kann. In einer Branche mit zunehmendem Fachkräftemangel ist das kein Nice-to-have – das ist strategisch überlebenswichtig.

Zweitens: Predictive Maintenance. Systeme, die Ausfälle erkennen, bevor sie entstehen. Heizungsanlagen, Aufzüge, Entwässerung – durch datengetriebene Analyse lassen sich Instandhaltungsmaßnahmen vorausplanen, statt teuer und reaktiv zu reagieren.

„Unser Fokus liegt auf Automatisierung und KI. Die Plattform ist datengetrieben – und langfristig erlaubt uns das, Instandhaltung vollständig KI-gestützt zu koordinieren. Nicht irgendwann: Das ist die Richtung, in die wir heute schon bauen."

Drittens: intelligente Mieterkommunikation. KI-gestützte Systeme beantworten Anfragen rund um die Uhr, klassifizieren Schadensmeldungen automatisch und leiten sie in operative Workflows ein. Der Mieter bekommt sofort eine Antwort. Das Team wird für die Arbeit freigesetzt, die wirklich menschliche Aufmerksamkeit braucht.

René Stüpmann: Ich erlebe in Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus der Branche oft noch Zurückhaltung gegenüber KI. Die Sorge: Wird das zu komplex? Zu teuer? Zu riskant? Ich verstehe diese Bedenken – und gleichzeitig halte ich sie für gefährlicher als das Risiko des Handelns. Die Unternehmen, die heute nicht anfangen, werden in fünf Jahren einen strukturellen Nachteil haben, der sich kaum aufholen lässt.

Bei uns in Prenzlau haben wir gelernt: Man muss nicht alles auf einmal umstellen. Aber man muss anfangen.

Digitale Plattformen: Warum Einzellösungen an ihre Grenzen stoßen

Cem Savas: Viele Wohnungsunternehmen haben in den vergangenen Jahren Digitalisierungsprojekte gestartet. Eine App hier, ein Portal dort, ein neues ERP-System. Das Problem: Diese Systeme sprechen oft nicht miteinander. Daten liegen verteilt. Prozesse laufen parallel. Die erhoffte Effizienz bleibt aus.

Die Antwort liegt nicht in mehr Einzellösungen, sondern in einer durchgängigen Plattform, die Mieterkommunikation, Auftragssteuerung,Handwerkersteuerung, Terminplanung und ERP-Integration in einem System verbindet. Plentific ist heute in mehr als 1,7 Millionen Wohneinheiten weltweit als KI-gestützte Plattform im Einsatz und trägt wesentlich zur Digitalisierung der Wohnungswirtschaft bei. 

„Wirkliche Transformation entsteht, wenn alle Beteiligten – Bestandshalter, Dienstleister, Regieteams, Mieter – auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten. Das ist die Plattformlogik, die die Branche braucht. Fragmentierte Systeme erzeugen fragmentierte Ergebnisse."

René Stüpmann: Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wir haben uns bei der Auswahl unserer Lösung den deutschen Markt sehr genau angesehen. Und eine wirklich durchgängige Plattform, die Mieter-Selfservice, interne Auftragssteuerung, Handwerkerkopplung und ERP-Integration verbindet, haben wir nur bei Plentific gefunden. Das war für uns ein entscheidender Faktor.

Change Management: Die unterschätzte Kernkompetenz

René Stüpmann: Ich möchte über etwas sprechen, das in vielen Digitalisierungsdebatten zu kurz kommt: die Menschen.

Für viele Organisationen ist das ein schwieriger Prozess. Bei uns war es das auch am Anfang. Aber wir haben aus diesen Erfahrungen eine Unternehmenskultur entwickelt, in der Veränderung nicht als Ausnahmezustand gilt, sondern als Normalzustand. Unser Team freut sich auf Innovationen. Es begrüßt neue Werkzeuge, weil es verstanden hat, dass sie keine Bedrohung sind, sondern Erleichterung.

„Change Management ist bei uns kein Projekt mit Startdatum und Enddatum. Es ist Haltung. Wir leben das täglich – in der Art, wie wir Entscheidungen treffen, wie wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen und wie wir Innovation als Teil unserer Identität verstehen."

Das klingt einfacher als es ist. Es ist jahrelange Arbeit. Aber es ist der Unterschied zwischen einer Digitalisierung, die im Sand verläuft  und einer, die wirklich wirkt.

Cem Savas: René spricht damit etwas aus, das wir bei Plentific in der Arbeit mit unseren Kunden immer wieder sehen. Technologie ist notwendig. Aber sie reicht nicht. Die Unternehmen, die Digitalisierung wirklich erfolgreich umsetzen, investieren genauso viel in Menschen und Kultur wie in Systeme und Software.

„Was uns bei der Wohnbau Prenzlau beeindruckt, ist nicht allein die Technologie. Es ist die Kombination aus klarer Strategie, einem Team das mitgeht, und einem Führungsverständnis, das Veränderung als Kernkompetenz begreift. Das ist das Modell, das die Branche braucht."

Gesellschaftliche Verantwortung und Digitalisierung: Zwei Seiten einer Medaille

René Stüpmann: Als kommunales Unternehmen tragen wir eine besondere Verantwortung. Wir sind nicht auf Rendite maximiert. Wir sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Unsere Leitplanken sind Kundenorientierung, Qualität, Verantwortung, Vertrauen, Respekt, Kreativität, Leidenschaft und Initiative. Diese Werte bestimmen, wie wir Digitalisierung angehen: nicht als Rationalisierungsinstrument, sondern als Weg, unsere Mieterinnen und Mieter besser zu unterstützen.

„Wenn Schadensmeldungen schneller bearbeitet werden, verbessert sich die Wohnsituation konkret. Wenn Teams entlastet werden, können sie sich um die Anliegen kümmern, die wirklich menschliche Aufmerksamkeit erfordern. Das ist der gesellschaftliche Wert von Digitalisierung  und genau deshalb ist es unsere Pflicht, sie konsequent umzusetzen."

Cem Savas: Dieser Gedanke ist es, der mich seit der Gründung von Plentific antreibt. Wir arbeiten mit Unternehmen zusammen, die nicht primär für den Kapitalmarkt arbeiten, sondern für Menschen. Für Mieterinnen und Mieter, für Städte, für Gemeinschaften. Wenn wir es schaffen, diese Unternehmen effizienter und zukunftsfähiger zu machen, dann hat das eine gesellschaftliche Wirkung weit über die Plattformökonomie hinaus.

Ausblick: Fünf Entwicklungen, die die Branche bis 2030 prägen werden

Cem Savas und René Stüpmann:

1. KI wird von der Ausnahme zur Infrastruktur. Unternehmen ohne KI-Strategie werden einen strukturellen Nachteil haben. KI wird in Instandhaltung, Kommunikation und Planung so selbstverständlich sein wie das ERP-System heute.

2. Plattformen ersetzen Insellösungen. Der Markt für Einzelanwendungen konsolidiert sich. End-to-End-Plattformen, die alle Prozesse verbinden, setzen sich durch. Fragmentierte Systemlandschaften werden zum Wettbewerbsnachteil.

3. Mieter werden zu aktiven Nutzern. Die nächste Generation erwartet Selfservice: Schadensmeldungen, Terminbuchungen, Statusupdates – digital, mobil, ohne Anruf. Wohnungsunternehmen, die das nicht bieten, werden es im Wettbewerb spüren.

4. Daten werden zum strategischen Kapital. Wer seine Prozesse digitalisiert, sammelt Daten. Wer Daten hat, entscheidet besser – über Instandhaltungsbudgets, Personalplanung, Investitionen. Datengetriebene Entscheidungen werden zur Kernkompetenz.

5. Change Management wird zum Wettbewerbsvorteil. Technologie ist kopierbar. Organisationskultur nicht. Unternehmen, die heute in die Veränderungsfähigkeit ihrer Teams investieren, bauen einen Vorsprung auf, der sich nicht schnell einholen lässt.

Fazit: Die Zukunft gehört denen, die heute anfangen

Die Wohnungswirtschaft steht nicht vor der Frage, ob sie sich verändern muss. Diese Frage ist beantwortet. Sie steht vor der Frage, mit welcher Haltung, welcher Strategie und welchem Tempo sie diesen Wandel gestaltet.

Die Wohnbau Prenzlau zeigt, dass es geht. Nicht trotz ihrer Größe als kommunales Unternehmen, sondern gerade wegen ihrer Verwurzelung, ihrer Werteorientierung und einer Unternehmenskultur, die Innovation als Ausdruck von Verantwortung begreift.

Und Plentific? Wir bauen die Infrastruktur, die diesen Weg möglich macht - für die Wohnbau Prenzlau und für alle Wohnungsunternehmen und Genossenschaften, die verstanden haben: Die Zukunft wartet nicht.

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